Bewerbung mit Schwerbehinderung: Formulierungen & Beispiele

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Bewerbung mit Schwerbehinderung: Formulierungen & Beispiele

Bewerber/innen mit Schwerbehinderung haben es bei der Jobsuche häufig schwerer als andere. So manche/r Arbeitgeber/in hat Vorbehalte: Ist ein/e solche/r Kandidat/in in der Lage, den Job wie vorgesehen auszuüben? Viele Menschen mit Schwerbehinderung fragen sich deshalb, ob sie die Schwerbehinderung bei der Bewerbung überhaupt angeben sollten – und wenn ja, wie macht man es am besten? Hier findest du Tipps und Formulierungsbeispiele für deine Bewerbung mit Schwerbehinderung.

Muss man eine Schwerbehinderung bei einer Bewerbung angeben?

Um einen Job zu bekommen, reicht es in vielen Bereichen längst nicht mehr aus, eine solide Bewerbung zu verschicken und darin die gefragten Qualifikationen nachzuweisen. Die Konkurrenz um freie Stellen ist häufig groß. Wer sich durchsetzen möchte, muss positiv aus der Masse hervorstechen – und darf keine Zweifel an seiner Eignung wecken. Wer Schwäche zeigt oder keinen geradlinigen Lebenslauf vorweisen kann, hat gerade in stark umkämpften Bereichen regelmäßig das Nachsehen.

Vor diesem Hintergrund verwundert es wenig, dass Bewerber/innen mit Schwerbehinderung es häufig schwerer haben als andere, eine Jobzusage zu bekommen. Viele Arbeitgeber/innen sind unsicher, ob die Behinderung der Ausübung des Jobs nicht doch im Weg stehen könnte. Ebenso kann der Gedanke aufkommen, dass ein/e Mitarbeiter/in mit Schwerbehinderung womöglich nicht so leistungsfähig sein könnte wie die Kolleg/innen.

Knapp acht Millionen Menschen in Deutschland haben eine Schwerbehinderung, womit fast jeder zehnte deutsche Staatsbürger betroffen ist. Dabei können die Gründe für die Schwerbehinderung vielfältig sein; sie reichen von Bewegungseinschränkungen von Armen oder Beinen über geistige Beeinträchtigungen bis zur Schwerhörigkeit oder einer Sehbehinderung.

Nur, weil jemand offiziell als schwerbehindert eingestuft wird, bedeutet das nicht, dass er oder sie seinen/ihren Beruf nicht gut ausüben könnte. Viele Arbeitgeber/innen sind dennoch skeptisch – was die Frage hervorruft, ob man eine Schwerbehinderung in der Bewerbung überhaupt angeben muss. Dazu bist du nicht verpflichtet. Es ist deine Entscheidung, ob du in einer Bewerbung offen mit deiner Schwerbehinderung umgehst und hoffst, dass das kein Nachteil ist, oder du diesen Umstand für dich behältst.

Schwerbehinderung bei der Bewerbung angeben: Was dafür und was dagegen spricht

Wenn du überlegst, ob du deine Schwerbehinderung in der Bewerbung angeben oder sie lieber verschweigen solltest, ist es hilfreich, wenn du weißt, was dafür und was dagegen spricht.

Gegen die Angabe deiner Schwerbehinderung in der Bewerbung spricht, dass du nicht weißt, wie der/die Personaler/in darauf reagiert. Im besten Fall beurteilt er/sie dich nur nach deinen Qualifikationen, im schlechtesten Fall wirst du ungeachtet deiner Kompetenzen wegen deiner Behinderung aussortiert. In der Bewerbung auf eine Schwerbehinderung zu sprechen zu kommen ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Das gilt besonders, wenn es um Jobs geht, bei denen eine hohe Nachfrage wahrscheinlich ist. Je mehr hochqualifizierte Bewerber/innen es gibt, desto schwerer hast du es womöglich.

Für die Angabe einer Schwerbehinderung in der Bewerbung spricht, dass du dann von Anfang an mit offenen Karten spielst. Ehrlichkeit wissen viele Arbeitgeber/innen zu schätzen. Außerdem vermeidest du damit, dass der/die Arbeitgeber/in beim ersten Treffen im Vorstellungsgespräch überrascht ist – vorausgesetzt, man bemerkt deine Behinderung als Außenstehende/r überhaupt.

Arbeitgeber/innen sind dazu verpflichtet, Menschen mit Behinderung einzustellen

Es gibt noch ein gewichtiges Argument, was dafür spricht, in der Bewerbung eine Schwerbehinderung zu erwähnen. Unternehmen, die durchschnittlich 20 oder mehr Mitarbeiter/innen beschäftigten, sind gesetzlich dazu verpflichtet, Mitarbeiter/innen mit Schwerbehinderung einzustellen. Wie viele Arbeitsplätze mit Arbeitnehmer/innen mit Schwerbehinderung besetzt werden müssen, hängt von der Größe des Unternehmens ab. Insgesamt müssen Menschen mit Behinderung fünf Prozent der Beschäftigten ausmachen.

Wer die Quote nicht erfüllt, muss für jeden vorgeschriebenen, aber nicht derart besetzten Arbeitsplatz eine Ausgleichsabgabe zahlen. Das kann dazu führen, dass eine Bewerbung von Menschen mit Schwerbehinderung sogar bevorzugt behandelt wird. In diesem Fall könnte es deine Chancen verringern, wenn du deine Schwerbehinderung verschweigst.

Es kommt natürlich auch darauf an, wo du dich bewirbst und warum du als schwerbehindert giltst. Eine Schwerbehinderung ist bei einer Bewerbung im öffentlichen Dienst meist kein Problem, da Behörden und Ämter alle fachlich geeigneten Bewerber/innen zum Vorstellungsgespräch einladen müssen. Bei körperlichen Beeinträchtigungen sind Bürojobs oft generell unproblematisch.

Geht es hingegen um Jobs, die eine starke körperliche Leistungsfähigkeit voraussetzen, wird eine Behinderung wahrscheinlich kritischer gesehen. Um deine Chancen abzuklopfen, kannst du dich auch vorab an den/die Gleichstellungsbeauftragte/n im Unternehmen wenden und um eine Empfehlung zum besten Vorgehen bitten.

Wie kann man eine Schwerbehinderung in einer Bewerbung angeben?

Wenn du dich dazu entscheidest, in der Bewerbung deine Schwerbehinderung zu erwähnen, solltest du überlegen, wie du das am besten tun kannst. Die Gelegenheit dazu hast du im Bewerbungsschreiben. Du kannst mit einem Satz darauf eingehen, dass du körperlich oder geistig beeinträchtigt bist, solltest aber im selben Atemzug beschreiben, dass dir das beruflich nicht im Weg steht.

Dabei solltest du es dringend vermeiden, deiner Schwerbehinderung zu viel Raum zu geben. Du möchtest ja gerade zeigen, dass sie dich nicht daran hindert, einen guten Job zu machen. Je mehr du im Anschreiben über deine Behinderung schreibst, desto weniger Platz bleibt dir, um auf deine Qualifikationen und Soft Skills einzugehen. Fasse dich deshalb kurz.

Wie es klingen könnte, wenn du im Anschreiben für die Bewerbung auf eine Schwerbehinderung zu sprechen kommst, zeigen dir die folgenden Formulierungsbeispiele:

  • „Sie fragen sich womöglich, warum ich vor fünf Jahren beruflich eine neue Richtung eingeschlagen habe. Ein Unfall und die daraus resultierende Schwerbehinderung haben dazu geführt, dass ich meinen damaligen Beruf als Erzieherin nicht mehr ausüben konnte. Bei der Arbeit vor dem PC schränkt mich meine verminderte Mobilität hingegen gar nicht ein.“
  • „Als Zeichner beeinträchtigt mich meine Schwerbehinderung aufgrund von Taubheit in keiner Weise.“
  • „Seit einem Unfall sitze ich im Rollstuhl, was aber im Berufsalltag kein Hindernis für mich darstellt.“
  • „Offiziell gelte ich als schwerbehindert, ich empfinde mich aber als fit und leistungsfähig. Auch mein letzter Arbeitgeber, Herr Muster von der Mustermann AG, war stets zufrieden mit meinen Leistungen und steht Ihnen für Rückfragen gerne zur Verfügung.“