Aktuar/in – Berufsbild, Aufgaben & Gehalt

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Aktuar/in - Berufsbild, Aufgaben & Gehalt

Das Berufsbild der Aktuare hat eine lange Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Damals waren Aktuare als Schreiber im Senat von Rom tätig und galten als hochgradig anerkannte Bürger. Auch heute kommt den Aktuaren eine große gesellschaftspolitische Verantwortung zu, da allein ihre Tätigkeit über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden kann.

Kurz zusammengefasst sind Aktuare dafür zuständig, Tarife von Versicherungen zu kalkulieren, mathematische Modelle zur Unternehmenssteuerung zu erstellen oder Reserven für Unternehmen zu berechnen. Als universelle Problemlöser genießen sie auch heute noch ein hohes Ansehen und sind eher eine Minderheit in der Berufswelt.

Den Titel „Aktuar“ tragen heutzutage hauptsächlich Versicherungs- und Finanzmathematiker. Sie gelten als Fachleute für Versicherung und Risikoabschätzung, Finanzen und Versorgung sowie für die Einschätzung von nicht planbaren zukünftigen Verpflichtungen. Anhand von mathematischen Modellen simulieren die Aktuare hier durch Auswertung großer Datenmengen aus der Vergangenheit, die dann mit Parametern aus der Zukunft in Beziehung gesetzt werden, Szenarien für zukünftige Ereignisse. Keine Versicherung würde ohne die Arbeit der Aktuare funktionieren.

Um der großen Verantwortung und den hohen Anforderungen gerecht werden zu können, ist eine umfangreiche Ausbildung für die Aktuare erforderlich. Nach einem abgeschlossenen Mathematikstudium mit umfangreichen Kenntnissen in Statistik und Stochastik schließt sich eine zumeist berufsbegleitende dreijährige Zusatzausbildung zur Aktuarin / zum Aktuar an. Das Jobprofil an sich ist sehr komplex, Aktuare sind sehr gut ausgelastet und sollten sich darauf einstellen, auch mal ein wenig mehr zu arbeiten als im Vertrag vereinbart. Die Karrierechancen und die Möglichkeiten, eine interessante Anstellung zu finden, sind für Aktuare in Deutschland ausgezeichnet.

Tätigkeiten als Aktuar/in: Aufgaben im Detail

Die Versicherungs- und Finanzmathematiker mit der Zusatzausbildung zur Aktuarin / zum Aktuar sind hauptsächlich in der Versicherungsbranche tätig. Ihre Aufgabe ist es, die langfristige Stabilität des Versicherungsgeschäftes durch ihre Berechnungen und Studien zu gewährleisten. Es geht zum Beispiel darum zu ermitteln, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass bestimmte zahlungspflichtige Versicherungsfälle eintreten oder mit welcher Wahrscheinlichkeit die Kunden bestehende Verträge wieder stornieren oder neu abschließen. Auf Basis dieser Berechnungen legen die Versicherungen die Tarife für ihre Kunden fest und entwickeln auf Basis der Ergebnisse ihre Produkte.

Des Weiteren werden Aktuare in die Unternehmens- oder Portfoliosteuerung der Firmen einbezogen. Hierbei ermitteln sie die Höhe der erforderlichen Rückstellungen oder die Höhe des Risikokapitalbedarfs. Im Rahmen des Produktcontrollings geht es darum, eine passsende Kalkulation zu gewährleisten. Aufgrund der stetig steigenden gesetzlichen Anforderungen im Finanzgeschäft eröffnen sich auch für die Aktuare weitere Tätigkeitsfelder. So sind das Risiko- und Kapitalmanagement zwei recht neue Gebiete für die spezialisierten Fachkräfte. Da die Krisen an den Kapitalmärkten in den vergangenen Jahren zugenommen haben, sichern sich inzwischen auch Investmentbanken gerne durch das finanzmathematische Wissen der Aktuare ab und beziehen diese in Entscheidungen bei der Kapitalanlage ein.

Der IT-Bereich von Versicherungen öffnet sich auch immer mehr für Aktuare. Ihre Aufgabe besteht in diesem Bereich darin, die extrem hohen Datenbestände zu warten und zu optimieren sowie diese auszuwerten und zu organisieren.

Aktuar/in werden: Voraussetzungen, Ausbildung & Einstieg

Grundsätzliche Voraussetzung, um die Zusatzausbildung zur Aktuarin / zum Aktuar absolvieren zu können, ist ein abgeschlossenes Studium an einer deutschen Hochschule in Mathematik oder einem artverwandten Themenbereich wie zum Beispiel Physik, Statistik, Volkswirtschaftslehre oder Informatik. Kann die Bewerberin / der Bewerber einen solchen Abschluss nicht nachweisen, gibt es die Möglichkeit, eine Aufnahmeprüfung in Mathematik und gegebenenfalls auch in Stochastik abzulegen.

Sind die Aufnahmekriterien erfüllt, steht der dreijährigen, meist berufsbegleitenden, Ausbildung zur Aktuarin / zum Aktuar nichts mehr im Wege. Die Weiterbildung gliedert sich in zwei Stufen – das Grundwissen und das Spezialwissen für eine bestimmte Fachrichtung. Im Abschnitt „Grundwissen“ werden den Aktuarsanwärterinnen und -anwärten zunächst die grundlegenden Fertigkeiten vermittelt. Hierbei geht es um Basiswissen in den Bereichen Versicherungs- und Finanzmathematik, Risikomanagement und der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Konkret werden Vorlesungen in folgenden Fächern gehalten, in denen auch Prüfungen zu absolvieren sind:

  • Wirtschaftliches und rechtliches Umfeld
  • Angewandte Stochastik
  • Finanzmathematik und Risikobewertung
  • Versicherungsmathematik
  • Modellierung und ERM (Enterprise Risk Management)
  • Unternehmenssteuerung

An Seminaren zu den Themen Professionalität und Kommunikation muss zwar teilgenommen werden, hier werden jedoch keine Leistungsnachweise verlangt.

Nach erfolgreichem Bestehen des Grundwissens schließt sich der Ausbildungsteil des Spezialwissens an. Hier spezialisiert sich die Teilnehmerin / der Teilnehmer auf sein zukünftiges Fachgebiet, das eines der folgenden Bereiche sein kann:

  • Lebensversicherung
  • Krankenversicherung
  • Pensionen
  • Schadenversicherung
  • Finanzmathematik
  • Bausparen
  • Enterprise Risk Management (ERM)

Inhalte der Vorlesungen sind hier insbesondere die gesetzlichen Vorgaben, spezielle Produkte oder Marktbesonderheiten aus dem jeweiligen Fachgebiet. Es sind dann zwei Prüfungen abzulegen, die entweder die oben genannten Fachgebiete abdecken oder das zukunftsorientierte Thema „Actuarial Data Science (ADS)“ zum Inhalt haben.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung eröffnen sich den Aktuaren vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten in deutschen Wirtschaftsunternehmen. Da der Beruf noch immer relativ selten ist, die Versicherungsaufsichtsgesetze jedoch Regelungen vorgeben, wonach entsprechend ausgebildete Aktuare in den Versicherungen zu bestellen sind, ist die Auswahl an passenden Stellen selbst für Einsteiger vielversprechend.

Gehalt: Das können Aktuare / Aktuarinnen verdienen

Nicht nur aufgrund der hochinteressanten Tätigkeitsfelder, die sich den ausgebildeten Aktuaren eröffnen, sondern auch wegen der finanziellen Attraktivität lohnt sich die anspruchsvolle Zusatzqualifikation. Je nach Region und Unternehmen, für das die Aktuare arbeiten, liegen bereits die Einstiegsgehälter zwischen 48.000 Euro und 58.000 Euro pro Jahr. Interessanterweise wurde festgestellt, dass Absolventen mit einem Doktortitel nach einem oder zwei Jahren Berufserfahrung im Schnitt rund 9.000 Euro mehr pro Jahr verdienen als ihre Kollegen ohne Promotion.

Wer als Aktuarin / als Aktuar auf eine mehrjährige Tätigkeit in seinem Fachgebiet zurückblicken kann, verdient ein durchschnittliches Jahresgehalt von etwa 88.000 Euro.

Arbeitgeber: Hier finden Aktuare / Aktuarinnen Jobs

Die Möglichkeiten, als ausgebildete Aktuarin / als ausgebildeter Aktuar einen Job zu bekommen, sind extrem vielfältig. Klassischerweise arbeiten Aktuare bei Versicherungsgesellschaften jeglicher Art, aber auch Träger von Versorgungseinrichtungen (z.B. Rentenversicherung, Altersvorsorge) stellen Aktuare ein. Banken, Bausparkassen und neuerdings auch Investmentbanken wissen die Arbeit der Finanzmathematiker zu schätzen. Wirtschafts- und Beratungsunternehmen aller Branchen bieten Stellen für Aktuare an und auch der öffentliche Bereich (Behörden, Ministerien) kommt als Arbeitgeber in Frage.